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Interview mit dem Trainer der 1. Mannschaft – Thomas Geuß

Seit dieser Woche hat Fußball-Thüringenligist FC Union Mühlhausen einen neuen Trainer. Thomas GEUSS stellte sich nach seiner Amtsübernahme zum Gespräch.

Wie haben Sie den Trainerwechsel bei Union erlebt?

Ich war Augenzeuge der 1:5-Blamage gegen Bollstedt und hatte danach irgendwie erwartet, dass etwas passiert. Am Samstag erhielt ich den Anruf von Dietmar Hahn, mit der Bitte, das Traineramt zu übernehmen. Nach einer Bedenkzeit und einem Gespräch mit meiner Frau habe ich dann schließlich am Abend auch zugesagt.

Wie hat Ihre Frau die Entscheidung aufgenommen?

Ich bin meiner Frau dankbar, dass sie meine Entscheidung mitträgt. Sie musste in den vielen Jahren meiner Fußball-Laufbahn auf vieles verzichten und hoffte nun wenigstens in der Woche auf mehr gemeinsame Zeit. Aber sie kennt mich, ich bin mit dem Herzen Fußballer.

Sie haben in Stedtfeld eine Dachdeckerfirma. Wie vereinbart sich das Berufliche mit dem zeitaufwändigen Trainerjob?

Im Moment ist es in der Firma etwas ruhiger – es ist ja Winter. Wenn es in einigen Wochen hier wieder richtig losgeht, wird es zeitlich sicher manchmal eng. Aber ich habe es drei Jahre in Gerstungen ganz gut hinbekommen; es wird auch hier kein Problem sein.

Werden Sie eigentlich mit einem Co-Trainer arbeiten?

Ich plane zunächst, ohne Co-Trainer zu arbeiten. Die Entscheidungen treffe ich ohnehin allein, ich muss dafür ja auch den Kopf hinhalten. Ich bin jedoch froh, dass Ronny Rink das Torwarttraining übernimmt. Er genießt große Akzeptanz im Team. Sein Wort gilt nach wie vor in der Mannschaft. Ich habe in einigen längeren Gesprächen mit ihm gemerkt, dass wir fußballerisch auf einer Wellenlänge liegen.

Mit welchem Gefühl gehen Sie die Aufgabe an?

Ich habe eigentlich ein gutes Gefühl. Union hat um das Abenteuer eines Landesliga-Aufstiegs gewusst und auch wegen seiner großen Verdienste lange am Trainer festgehalten. Nun sieht aber auch die Mannschaft, dass der Vorstand handelt und alles versucht. Der Klassenerhalt ist machbar, aber die Basis muss körperliche Fitness sein. Ich werde den Spielern feste Aufgaben geben, jeder muss seinen Platz im Gefüge kennen. Bis auf das zwingend notwendige Grundlagentraining wird fast alles mit Ball passieren. Das macht es einem Fußballer leichter zu laufen. Niemand trainiert besonders gern, aber ich möchte, dass die Spieler auch am Training und im Spiel Spaß haben. Dann wird auch die Trainingsbeteiligung besser, auch wenn manche Spieler dafür einige Strapazen in Kauf nehmen müssen.

Das Mühlhäuser Publikum gilt als sehr kritisch. Wie sehen Sie das?

Es muss unsere Aufgabe sein, mit leidenschaftlichem Fußball das Publikum zu gewinnen und hinter uns zu bringen. Man muss auf dem Platz spüren, dass wir hier zu Hause sind – gegen jeden Gegner. Dann zieht das Publikum auch mit, selbst wenn das weitläufige Stadion einer richtigen Heimspielatmosphäre nicht gerade hilft.

Sie haben erfolgreich in Gerstungen gearbeitet. Wie werden Sie die Geschicke nun bei Union leiten?

In der Anfangsphase führe ich viele Gespräche, mit Einzelnen, mit Gruppen und der gesamten Mannschaft. Ich erwarte vom Team eigentlich nur vier Dinge: Fitness, Disziplin, Leidenschaft und Teamgeist. Das möchte ich jedem Spieler vermitteln. Dazu muss ich vieles auch vorleben, auch einmal selbst auf Privates verzichten. In erster Linie steht viel Arbeit an, auch Glück muss man sich erarbeiten. Ich weiß aus meiner langen Laufbahn als Fußballer nur zu gut, dass Spieler jede Nachlässigkeit oder Inkonsequenz des Trainers sofort ausnutzen.

Wie sehen Sie angesichts der Tabelle und des vorhandenen Teams die Chancen auf den Klassenerhalt?

Es sind noch 14 Spiele und eine Menge Punkte zu vergeben. Die letzten sechs bis sieben Mannschaften sind, unabhängig vom gegenwärtigen Punktestand, in etwa auf einem Niveau. Da entscheidet im direkten Vergleich die Tagesform. Es ist also noch alles drin, zumal ja unter Umständen bereits der 14. Platz reichen kann. Aber ich schaue nicht so gern auf andere Teams. Wir müssen unsere Punkte selbst holen.

Das Interview führte Gerd Tuppeit – Quelle: www.thueringer-allgemeine.de